Ist nun „schon wieder“ ein deutsches Industrie-Urgestein von der Bildfläche der Sprechanlage verschwunden? Wo beginnt die Geschichte und wo endet sie? Vermisst man etwas erst, wenn es weg ist oder ist Ritto jetzt an einem besseren Ort? Mit dem deutschen Mittelstand verhält es sich immer ein wenig, wie in Stieg Larsons weltberühmter Trilogie: zwar nicht so „belastet“ aber ähnlich undurchsichtig. Also, Quo Vadis, Ritto?
Zum 23. Januar hat der italienische Hersteller Comelit die Marke Ritto zu 100 Prozent übernommen. Mit Ritto verbindet man seit den 1970er Jahren Gegensprechanlagen, Briefkastensysteme und Türkommunikation. Die erste Ritto Sprechanlage wurde bereits 1968 gebaut. Mit der Ritto GmbH & Co. KG 1976 stand man auf eigenen Beinen – innerhalb der starken Gruppe. Und diese ist keine geringere als die Friedhelm Loh Group. Moment, ist das nicht?
Ja! 1947 gründete Rudolf Loh seine Metallwarenfabrik. Aus dieser Firma wurde später das Unternehmen mit den besten Aufstiegschancen: der Leiterhersteller Hailo! 1961 wurde das nächste Standbein beim Notar eingetragen: der Schaltschrankproduzent Rittal. Den Unternehmergeist der Familie Loh kann man an der Stelle nur zutiefst würdigen. In drei so unterschiedlichen Gewerben je einen Platz ganz weit vorne zu haben, ist eine Leistung. Und für Loh war da noch nicht Schluss.

Zurück bei Ritto wurde eine, wenn nicht DIE maßgebliche, Erfindung der modernen Türkommunikation gemacht. Mitte der 1980er erblickte der TWIN-BUS das Licht der Welt. Bis heute der Standard für Steuerkommunikation und programmierbare Speicher VOR dem KNX-Protokoll.
2007 übernahm der französische Megakonzern Schneider Electric die Firma Ritto, gliederte sie in den ein Jahr zuvor erworbenen Schalterhersteller Merten ein und führte die Marke weiter fort.
Ritto ist neben seinem Marktbegleiter im Segment, Siedle aus Furtwangen, das Pseudonym für Türsprechanlagen und hat sich bei Generationen von Elektrikern und Haustechnikern einen Ruf erarbeitet.

Und heute? Comelit ist das perfekte Gegenstück jenseits der Alpen. Seit 1956 im Geschäft mit Gegensprechanlagen und Erfinder der Videosprechanlage nimmt ein weltweit operierendes Familienunternehmen ein Weiteres bei sich auf. Die lange Tafel der Innovationen wird also nicht kleiner – der Sinn für technisches Knowhow bleibt erhalten. Scheinbar müssen die Mitarbeiter nur Croissants zum Frühstück durch Pizza zu Mittag tauschen.
weiter News zum Thema gibt es in der Pressemitteilung von Comelit.
Pressemitteilung
Comelit stärkt seine Präsenz in Europa: Durch eine M&A-Transaktion übernimmt Comelit die traditionsreiche deutsche Türkommunikationsmarke Ritto
Die Comelit Group gibt die Unterzeichnung einer Vereinbarung zur Übernahme von 100 Prozent von Ritto bekannt, einer traditionsreichen deutschen Marke, die auf Türkommunikationssysteme für Wohn-, Zweck- und Gewerbegebäude spezialisiert ist. Damit setzt das Unternehmen seinen Wachstumskurs konsequent fort und erweitert sein Portfolio um eine der Referenzmarken im deutschen Markt.
Die strategische Transaktion verfolgt zwei zentrale Ziele: das Kerngeschäft der Comelit Group im Bereich Türkommunikation weiter zu festigen sowie den Marktanteil in Deutschland deutlich auszuweiten, wo die Gruppe seit vielen Jahren mit einer eigenen Tochtergesellschaft vertreten ist.
Die Vereinbarung zur Übernahme der Marke Ritto von Schneider Electric wurde am 23. Januar 2026 unterzeichnet. Der Abschluss der Transaktion wird für Juli 2026 erwartet und steht unter dem Vorbehalt der üblichen Closing-Bedingungen. Die Übernahme erfolgt vollständig aus Eigenmitteln und unterstreicht damit die finanzielle Stärke der Comelit Group sowie die Nachhaltigkeit ihres Wachstumskurses.
Die Marke Ritto wurde 1976 in Deutschland gegründet und zeichnet sich durch eine starke Markenidentität aus, die im deutschen Elektrohandwerk und Fachgroßhandel breite Anerkennung genießt. Mit einem Umsatz von über 13 Millionen Euro zählt Ritto heute zu den führenden Anbietern im deutschen Türkommunikationsmarkt und gilt als zweitbekannteste Marke in diesem Segment. Qualität und Zuverlässigkeit prägen die Lösungen von Ritto seit jeher und haben dazu beigetragen, dass sich die Marke bundesweit etabliert hat. Mit einer installierten Basis von mehr als fünf Millionen Wohneinheiten, umfassender Expertise, gewachsenen Kundenbeziehungen und fundiertem technologischem Know-how beabsichtigt Comelit, den Mehrwert für Kundinnen und Kunden gezielt weiterzuentwickeln – unter anderem durch Investitionen in die Erneuerung des Ritto-Produktportfolios sowie in exzellenten Service, gestützt auf über 70 Jahre Erfahrung der Comelit Group in den Bereichen Türkommunikation und Sicherheitstechnik.
“Diese Akquisition stellt einen strategisch sehr wichtigen Schritt für Comelit dar”, erklärt Edoardo Barzasi, CEO der Comelit Group. “Sie stärkt unsere Präsenz in Deutschland im Bereich Türkommunikation – unserem Kerngeschäft – und fügt sich konsequent in eine externe Wachstumsstrategie ein, die mit der langfristigen industriellen Vision der Gruppe im Einklang steht. Der Weg dorthin war lang und anspruchsvoll, ermöglicht uns heute jedoch einen zuversichtlichen Blick auf weitere Entwicklungsperspektiven.”
Nach Abschluss der Transaktion wird Comelit die Verantwortung für das Ritto-Geschäft übernehmen und dessen zukünftige Entwicklung begleiten. Produktion und Marke bleiben dabei erhalten – ganz im Sinne von Kontinuität und Verlässlichkeit.
“Wir freuen uns sehr, diese bedeutende Marke in unser Portfolio aufzunehmen”, ergänzt Francesco Franchini, Deputy General Manager Sales & Marketing der Comelit Group. “Wir sind überzeugt, dass sich daraus starke Synergien und neue Wachstumschancen für unser Geschäft in Deutschland ergeben – einem Markt, der für Comelit seit jeher zu den strategischen Kernmärkten zählt.”