Seit Dezember 2025 richtet Geschäftsführer Scott Taylor Fakir neu aus. Im Interview mit Smart Weekly Business spricht er über die reorganisierte Vertriebsstruktur, die geschärfte Markenpositionierung und das Ziel, Fakir als Vollsortimenter und verlässlichen Partner des Handels zu etablieren.
Scott Taylor im Interview: Frischer Wind und neue Sauger
Herr Taylor, sie sind seit 1.Dezember 2025 Geschäftsführer von Fakir und haben angekündigt, das Unternehmen und die Marke neu aufzustellen. Was hat sich seit Ihrem Amtsantritt konkret verändert – und wo spüren Sie bereits die Erfolge?
Aller Anfang ist bekanntlich schwer, wie es der Volksmund sagt, aber ich hatte den Vorteil, dass ich von 2014 bis 2020 bereits für Fakir Hausgeräte gearbeitet habe und dadurch die Marke und ihr hohes Potenzial im Markt sehr gut einschätzen konnte. In meiner neuen Rolle als Geschäftsführer erkannte ich die Chance, ein mittelständisches Unternehmen mit starkem Rückgrat neu für das EU Business zu formieren. Zuerst musste die Beschaffung optimiert werden. Dafür konnten wir die Produktmanagement-Abteilung mit einem Young Professional, Selina Kabak, besetzen. Daran anknüpfend habe ich den Vertrieb neu aufgestellt, um den operativen Einheiten mehr Freiraum zu verschaffen. Erste Erfolge und Kunden im Development Status sind bereits sichtbar und in der aktiven Umsetzung. Wir haben den Umsatz aus 2025 bereits Ende Juli erreicht, sind jetzt in der Wachstumsphase und arbeiten weiter am qualitativen Dispositionsausbau.
Sie haben die Vertriebsorganisation neu organisiert, unter anderem mit einem eigenen Head of Sales für die DACH-Region, Business Development und einer neuen E-Commerce-Struktur. Welche Ziele verfolgen Sie mit dieser neuen Aufstellung, und wie verändert sie die Zusammenarbeit mit dem Handel?
Mit Michael Rolle und Jaqueline Pfeiffer sind zwei bekannte Branchenprofis im Mai und August zu uns gestoßen. Unsere neue Aufstellung beschreibe ich gerne mit dem Bild des mythologischen, griechischen Dreizacks. Er beschreibt das Zusammenspiel der operativen Einheiten Business Development, Sales Elektrofachhandel und E-Commerce. Dabei stellt das Business Development, durch Markus Weinschenk (vormals Head of Sales), die vorderste Zacke. Er wird ansprechen, entwickeln und an unsere neuen Handelspartner die operative Verantwortung übergeben – eine wichtige und mühsame Funktion beim Aufbau. Darin steckt viel Arbeit und der Erfolg kommt oft erst nach Tagen, Monaten oder Jahren zum Vorschein. Dafür haben wir in den operativen Einheiten von Sales und E-Commerce mehr Luft zur Optimierung vorhandener Strukturen und können unsere qualitative Vertriebskanalstrategie besser koordinieren. Der Handel bekommt einen Vollsortimentspartner mit qualitativer Steuerung von Produktsortimenten in den jeweiligen Absatzkanälen. Neben typischen „All Channel“ Produkten gibt es spezifisch auf die einzelnen Absatzkanäle abgestimmte Sortimente, welche keinem eigenen Preiskampf unterliegen, sondern Mehrwerte für den Handel am POS generieren. Das Wichtigste ist hierbei, dass der Händler Marge mit der Ware erwirtschaften kann – und das direkt im Verkauf. Das ist unser größtes Ziel.
Auch die Markenpositionierung wurde geschärft: „Tradition, die bleibt. Innovation, die begeistert!“ lautet das neue Leitbild. Wie soll sich Fakir dadurch künftig im Wettbewerb differenzieren – und was soll ein Händler oder Verbraucher heute anders mit der Marke verbinden als noch vor einem Jahr?
Der wichtigste Schritt ist mit der klaren Definition der Marke gemacht worden. Wenn Du weißt, wer Du bist, kannst Du auch die richtige Ansprache im Markt finden. Wir haben für uns definiert: Wir bieten keine Luxuslösungen, sondern Produkte, die funktionieren, gut aussehen, fair bepreist sind und den Alltag leichter machen. Damit stehen wir für eine klare B-Markenpositionierung im Handel. Fakir bietet in schweren wirtschaftlichen Zeiten gute und qualitativ hochwertige Produkte mit einem starken Preis-Leistungsversprechen, welches als Alternative zur etablierten A-Marke genutzt werden kann. Die Automobilindustrie macht es uns vor, neben Audi, Volkswagen und den Massenmarken gibt es Alternativen, die immer mehr Marktanteile gewinnen. Außerdem konzentrieren wir uns auf Produktdesign und den Aufbau starker Produktmarken. Zum Beispiel werden wir das F aus unserem Logo visuell aufgreifen und als Designelement bei unserer neuen Espressokapselmaschine KM480 mit dem Markennamen Kaave® einbinden. Im Premiumsegment werden wir die Marke AirWave® für Bodenpflege aktivieren und ausbauen. Im Bereich Personal Care haben wir mit IYO eine zweite Marke im Portfolio, die wir nach und nach in den Handel bringen werden. Es ist dabei deutlich zu erkennen, dass wir dem Handel neben unserer Hauptmarke Fakir weitere spannende Möglichkeiten bieten werden, mit uns als Gesamtgruppe zu wachsen.
Auf der IFA 2026 haben Sie mit neuen Produkten wie dem Air Wave RBL 911 und der neuen Hobby-Generation gezeigt, wie Sie Tradition und Weiterentwicklung verbinden wollen. Welche Resonanz haben Sie auf die Neuheiten von Handel und Besuchern bekommen, und welche Produkte haben Ihre Erwartungen besonders übertroffen?
Wir haben Resonanz in zwei Richtungen bekommen: Einerseits Erstaunen über das Erreichte. Alle Produkte sind überzeugend ausgestellt worden und unsere Aufstellung als Sortimentspartner wurde vom Handel akzeptiert. Andererseits haben wir aber auch eine höhere Erwartungshaltung für die Zukunft festgestellt. Einige erwarten nun, dass wir mit innovativen Neuheiten auftrumpfen werden. So wie dieses Jahr bereits mit der Wiederbelebung der Marke AirWave® und dem RBL 911, welcher für Innovation, Technologie und ein höheres Preissegment steht. Viele Marken haben im Vorfeld versucht, einen Schlittensauger mit Akku-Technologie zu entwickeln. Aber Fakir ist es durch sein internationales Entwicklungsteam mit Sitz in Istanbul gelungen. Hiermit sind wir „fast“ alleine im Markt und können dem Handel ab Dezember ein wirkliches Highlight anbieten. Die Chance, ein Produkt zu vertreiben, das im Markt einmalig ist, sollte auch vom Handel im Sinne einer erweiterten Distribution gewürdigt werden. Ebenfalls hervorzugeben ist unser Produkt Hobby, der in den letzten Jahrzehnten ein Markensymbol für Heizlüfter geworden ist. Er wurde von uns in eine neue Generation und ein neues Design überführt. Nun haben wir drei verschiedene Hobby Modelle mit einfacher und leistungsstarker Technik für den Handel zur Verfügung.
Die IFA sollte für Fakir ein sichtbares Zeichen für den neuen Kurs und den Weg in eine wachstumsorientierte Zukunft sein. Welches persönliche Messefazit ziehen Sie – und inwieweit hat sich Ihre Strategie durch die Gespräche und das Feedback in Berlin bestätigt oder auch verändert?
Die IFA ist für uns als internationaler familiengeführter Konzern wichtig und auch hier mein Dank an das Team von Leif Lindner für die gute Organisation. Fakir kann ein absolut positives Fazit aus unseren Gesprächen ziehen. Vor allem in Deutschland und weiterreichend in Europa haben wir den Grundstein für neue Distribution und Erfolg gelegt. Wir konnten neue nationale und internationale Kunden dazugewinnen. Mit dem Standkonzept haben wir eine echte „Ansage“ an den Handel gemacht; „Wir sind zurück und sie können auf uns setzen“. Mir sind viele erstaunte Gesichter aufgefallen, die unseren Stand bewundert haben. Damit haben wir ein Statement abgeliefert und verfolgen die Vision, Fakir in den kommenden fünf Jahren als echten Vollsortimenter zu etablieren.
Was ist die wichtigste Veränderung, die Sie bei Fakir angestoßen haben, und was müssen Sie in den kommenden zwölf Monaten noch erreichen, damit Sie sagen können: Der Neustart ist gelungen?
Die wichtigsten Führungspositionen sind besetzt und von jetzt an können wir das Wachstum vorantreiben. Ich muss ehrlich sagen, der Neustart läuft bereits auf Hochtouren, nun gilt es ihn zu stabilisieren und konsolidieren. Gleichzeitig bauen wir die Teams weiter aus und werden weitere etablierte Branchenprofis für die Fakir Strategie gewinnen. Der Ausbau der Sortimente und die Distribution in die Vertriebskanälen sind enorm wichtig. Jeder Schritt muss ein Mehrwert sein und darf keine Verschiebung von Ergebnissen darstellen. Wir sind ein verlässlicher Partner für den Handel – das ist ein Versprechen, das ich mit meinen Teams bereits seit vielen Jahren unter Beweis stellen konnte.